Ernst Thälmanns Ideen leben!

 

In der Nacht vom 17. zum 18. August 1944 wurde der Führer der deutschen Arbeiterbewegung und Internationalist – Ernst Thälmann in Buchenwald ermordet.

In diesem Jahr jährte sich zum 66. Mal der Tag seiner hinterhältigen Ermordung.

 Wie in jedem Jahr fanden in zahlreichen deutschen Städten Gedenk- und Protestkundgebungen statt, so in Ziegenhals bei Berlin (vor dem Gelände der abgerissenen Gedenkstätte), in der Gedenkstätte Ernst Thälmanns in Hamburg, vor dem Ernst-Thälmann Denkmal in Berlin (geschaffen von Lew Jefimowitsch Kerbel), vor den Ernst-Thälmann Denkmalen, Stendal, in Halle und in Magdeburg, in Buchenwald.  

Stadt Halle

Die Kommunistin Iris Harnack berichtete über die am 15. August 2010 in Halle, gemeinsam mit der Kommunistische Partei Deutschlands (gegründet am 1.Januar 1919, verboten am 1.5.1933, am 1.6.1945 reorganisiert, 1956 in der Bundesrepublik verboten), der Deutsche Kommunistische Partei (gegründet 1968) und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) und unter Teilnahme von Sympathisanten organisierte Gedenkveranstaltung vor dem Ernst-Thälmann-Denkmal.

Vor ca. 50 Teilnehmern sprach der Vorsitzende der KPD Halle über das Leben und Wirken Ernst Thälmanns, insbesondere über seinen Kampf für die Interessen der Arbeiterklasse und seine Akti-vitäten zur Schaffung einer Einheitsfront gegen den Faschismus. Ernst Thälmann bewies bis zu seiner Ermordung unter unmenschlichen Beding-ungen Standhaftigkeit für die Sache des Marxismus-Leninismus.
Der Vorsitzende der KPD zog Parallelen zur aktuellen Wirklichkeit und forderte, den Kampf gegen sozialen Abbau und die immer stärker werdenden faschistischen Entwicklung zu führen. Er betonte, dass 40 Jahre DDR das Beste in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung gewesen ist.
Einige Tage nach dieser würdevollen Gedenkveranstaltung schändeten schmutzige Hände das Denkmal. Es wurden von den Gebinden des ZK und der Landesorganisation Sachsen/Anhalt der KPD die Schleifen entfernt. Wie groß muss die Angst vor den kommunistischen Ideen sein, dass man zu solchen Mitteln greift.

Stadt Magdeburg

In der Stadt Magdeburg fanden am 18. August 2010  zwei antifaschistische Gedenkveranstaltungen statt:  bei der ersten vor dem Ernst–Thälmann-Denkmal  wurde durch Redebeiträge des Lebens und Kämpfens Ernst Thälmanns gedacht und Lehren aus den damaligen Kämpfen für die heutige antifaschistische Selbstschutzpraxis gezogen.

Eine Stunde später versammelten sich ca. 30 AntifaschistInnen im Magdeburger Stadtteil Reform, um dem Jugendlichen Rick zu gedenken, der in der Nacht zum 17. August 2008 in der Nähe des Funparks von einem Nazi erschlagen wurde. Rick ist mittlerweile der fünfte Mensch in Magdeburg, der von Faschisten ermordet wurde.
„Die Vernichtung des Nazismus mit all seinen Wurzeln ist unsere Verpflichtung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit unser Ziel“ (Schwur von Buchenwald)

 

Stadt Perleberg

Auch in der Stadt Perleberg versammelten sich am 18. August, wie jedes Jahr, vor dem Gedenkstein Ernst-Thälmanns viele Bürger. Es sind besonders die Bewohner der Ernst-Thälmann Straße. Peter Krips von der VVN-BdA  Prignitz betonte in seiner Rede, dass die Gründe für dieses Gedenken auf der Hand liegen: ein Blick in die Zeitung genüge, wo berichtet wird, wie Neonazis Plakate zum Todestag von R. Hess in Wittenberge und Bad Wilsnach anbringen. Das Fernsehen berichtete, dass sich rechte Kräfte in das online gestellte Totenbuch des KZ Buchenwald und des Lagers Dora-Nord eingehackt hätten und 38 000 Namen von Toten gelöscht und dafür rechte Parolen ins Netz gestellt haben.

Peter Krips betonte, nur wer zurück denkt, beginne zu denken, nachzudenken. Erinnerung ist wichtig um die Gegenwart richtig zu verstehen, und aus der Erinnerung wachse die Kraft, eine bessere Zukunft zu gestalten.

 

Stadt Hamburg

Ebenfalls am 18. August 2010 stellten in der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Hamburg (www.thaelmann-gedenkstaette.de) Eberhard Czichon und Heinz Marohn ihr soeben erschienenes Buch „Thälmann Report“ vor. Es ist gewidmet allen ermordeten Kommunistinnen und Kommunisten und ist ein Bericht über Ernst Thälmann im Zusammenhang mit der Geschichte der KPD, wie die Autoren im Vorwort der zweibändigen Ausgabe schreiben. Der Rechtsanwalt Ralph Dobrawa ergänzt mit seinem Beitrag über „Den langen Weg der BRD-Justiz“ die umfangreich recherchierten Materialien. Das Buch ist im Verlag Wiljo Heinen unter der ISBN Nummer 978-3-939828-56-3 (www.thaelmannreport.de) erschienen.

 

Stadt Berlin

Vor dem Ernst Thälmann-Denkmal in Berlin, in der Greifswalder Straße (damals im Ernst-Thälmann-Park – der Name wurde in der BRD gestrichen), fand unter der Organisation des „Aktionsbündnisses Thälmann-Denkmal, Berlin“ in den Abendstunden des 20. August, unter dem mit Scheinwerfern angestrahlten Denkmal auch in diesem Jahr eine Lesung und eine Diaprojektion  unter dem Motto: „Antifaschismus bei Licht  betrachtet“ statt. Mit dem Gedicht „Ballade über den verschollenen Soldaten“ von Alexander Donski, vorgetragen in russischer und deutscher Sprache, wurde an den 65. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus erinnert, wurde an die gefallenen sowjetischen Soldaten erinnert und gedacht, die im Kampf gegen den Faschismus ihr Leben gelassen haben.

Ringo Ehlert, als Vertreter der Freien Deutschen Jugend, begleitete das Gedicht mit den Worten:

„Doch trotz aller naiver Hoffnung, mit der Preisgabe des Warschauer Paktes hätte man sich die Friedensfähigkeit des Imperialismus erkauft und Frieden würde sein, wich die Nachkriegsordnung einer Vorkriegsordnung. Der Zustand das vom deutschen Boden nie wieder Krieg ausgehen soll, wurde zu einem Satz reduziert, zu einer Formulierung nieder geschrieben, für eine Rolle jener dramatischen Komödie die als „2+4 – Vertrag“ in die Geschichte einging. Die Tinte mit der dieser Satz geschrieben, war noch nicht trocken, da zerfetzten ihn auch schon deutsche Kampfbomber als sie ihre Last über Belgrad abwarfen nun zum dritten Mal in einem Jahrhundert in Jugoslawien. Die ersten dieser Bomben trafen eine antifaschistische Gedenkstätte die an den heldenhaften Kampf des jugoslawischen Volkes gegen den deutschen Faschismus erinnerte.“

 

 

Ziegenhals bei Berlin

Am Sonntag, den 22. August 2010 fand, ebenfalls wie jedes Jahr, die Gedenk- und Protestkundgebung in Ziegenhals statt – diesmal vor dem Gelände der am 3. Mai 2010 abgerissenen Ernst-Thälmann-Gedenkstätte. Obwohl gegen deren Abriss ein weltweiter Protest entflammte, war dies Regierenden im Land Potsdam und der Bundesrepublik in keiner Weise interessant.

 

Vor den rund 200 Anwesenden dieser Kundgebung sprach die Enkelin von Ernst Thälmann, Vera Dehle-Thälmann. Um das Wort bat der 17 jährige Schüler der 12. Klasse eines Berliner Gymnasiums, Mitglied der Kommunistischen Plattform in der Partei die Linke, Moritz Hieronymi.

Er sagte: „Wird der übermäßige Medienkon-sum der Jugend von der Schule kompensiert? Nein. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein politisches persönlichkeitsbildendes Schulfach Geschichte sein muss - aber weit gefehlt:  So meinte ein Berliner Geschichtslehrer, dass Ernst Thälmann für den 2. Weltkrieg eine Hauptverantwortung trägt; mit der Begründung  „ …da er die SPD als Sozialfaschisten bezeichnet hatte und jede Kooperation mit ihnen ablehnte.“ Da fehlen einen die Worte, aber es geht noch weiter. Stunden darauf erklärte ein anderer Geschichtslehrer in Sozialkunde, beide außerdem waren Referendare: „Die Parteien DVU und NPD seinen NICHT faschistisch!“

Einen tollen Vergleich finde ich. Die Kommunisten und Sozialisten waren einst die Schuldigen, die Kriegstreiber und Mörder. Wir sind die politischen Erben dieser angeblichen Schuldigen und wissen, dass solche Aussagen kein Geschichtsrevisionismus mehr darstellen, sondern von geplanter Geschichtsfälschung zeugen. 

 

Das Vergessen-Machen ist die wahre Gefahr der Bundesrepublik Deutschland!   

 

Zu Recht sagte der belarussische Oberst a.D., Marat Jegorow am 8. Mai diesen Jahres am Sowjetischen Ehrendenkmal in Berlin-Treptow, selbst Teilnehmer am großen Vaterländischen Krieg: der Faschismus war immer die größte Gefahr der Menschheit und wird es auch immer sein. Und, auf den großen stählernen Helden zeigend, unter dessen Schwert  sichtbar das zerbrochene Hakenkreuz liegt, sagte er: Das Hakenkreuz sei zwar zerschlagen, aber immer noch sichtbar und nicht zerstört - hat er Unrecht?

Drum lasst uns kämpfen für einen aufrichtigen Sozialismus, so wie es sich  Thälmann in den letzten Stunden seinen Kampfes von uns gewünscht hätte.  Vorwärts und nie Vergessen!“

 

 

Der Freundeskreis Ernst-Thälmann Gedenkstätte Ziegenhals setzt seine 20jährige Arbeit für die Erinnerung an den Kommunistischen Widerstand gegen den Hitlerfaschismus und an die Ernst Thälmann, der zum Symbolm des Kampfes gegen den Faschismus wurde, fort. Ihr Vorsitzender, Max Renkl, betonte im Namen aller Mitglieder der Freundeskreises: „Wir fordern den Wiederaufbau der Gedenkstätte! Unter der Losung „Ihr nehmt uns unsere Gedenkstätte – wir zeigen sie im ganzen Land!“ reproduzieren wir mit einer Wanderausstellung die Haupttafeln der Ausstellung, fügen den aktuellen Bezug dazu und tragen die Ideen Thälmanns ins Land. Mit der Wanderaustellung wollen wir den Wiederaufbau der Gedenkstätte am authentischen Ort erreichen. Den Inhalt der Wandersaustellung wird es auch in digitaler Form und mit einem Begleitheft geben.

 

 

Tschechische Republik – Mala Upa

Der Internationalismus, den Thälmann vertrat, lebt in der Organisation des Revolutionären Freundschaftsbundes „Ernst Thälmann und Kameraden“ e.V. (RFB), gegründet im Juni 1995 in Dresden unter Mitwirkung von Irma Gabel-Thälmann, Lothar Häupl, Günther Lehmann, Hartmuth Steinke u.a. fort.

Alljährlich findet in der letzten Augustwoche in der Tschechischen Republik, im Gebirgsort Mala Upa am Fuße der Schneekoppe das Internationale Riesengebirgstreffen statt. Auch in diesem Jahr trafen tschechische, polnische und deutsche Kommunisten/Internationalisten in Mala Upa zusammen. Neben Vertretern der Kommunistischen Partei Böhmens und Mährens, dem Kommunistischen Jugendverband der CSSR, Vertretern der Linken Deutschland, vor allem aus Sachsen, Thüringen und Berlin, nahmen auch Vertreter Polens teil. Das wird von den Organisatoren als besonders wichtig betrachtet, da die Situation der Linken in Polen außerordentlich kompliziert ist.  Auch in diesem Jahr nahm die Geschäftsträgerin der Republik Kuba in der CR am Treffen teil und brachte erneut ihre hohe Wertschätzung für die anhaltende Solidarität mit dem Kampf des kubanischen Volkes zum Ausdruck.

Zu den Gästen zählte auch hier Vera Dehle-Thälmann, die Enkelin Thälmanns. Es kamen über 200 Teilnehmer, unter ihnen viele Jugendliche, die u.a. über ihrem jetzigen Kampf gegen Neonazis sprachen und anschließend zusammen  berieten, wie gemeinsame Aktionen, die gemeinsame Arbeit zwischen tschechischem Komsomol und deutscher FDJ-Organisation koordiniert werden kann.

Der erste Vorsitzende des RFB, Lothar Häupl, zeigte ein Video aus dem Jahr 1998, aufgenommen in den Räumen der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte Ziegenhals. Neben den Anwesenden befand sich auch Irma Gabler-Thälmann sowie der Genosse Heinz Maeher, der oft interessierte Gruppen durch die Ausstellung führte. „Für Heinz Maeher war nach der Annexion der DDR der wichtigste Kampfplatz die Ernst–Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals. Mit Führungen durch die Gedenkstätte, gerade mit jungen Leuten, stemmte er sich gegen den scharfen Gegenwind der Geschichtsklitterung, der Lügen und Verleumdungen durch die staatliche Geschichtsschreibung der BRD. Heinz berichtete vom Kampf der Kommunisten gegen den Faschismus, nannte Namen und Adresse der Opfer und der Täter. Es war immer seine wichtigste Aufgabe, Verhindern dass jemals wieder Lügen und Hetze die Jugend im Dienste der deutschen Wirtschaft ins Massengrab schicken und Krieg die Welt überzieht. Dass diese Angst berechtigt ist, sehen wir heute jeden Tag, sehen wir mit unseren Augen an der Vorbereitung und Durchführungen neuer großer Kriege, die von deutschen Boden ausgehen.“(aus der Trauerrede, wir haben unseren Genosse Heinz Maeher am 18. August 2010 die letzte Ehre erwiesen).

 

Die heutigen Treffen in Mala Upa knüpfen an die Tradition der Proletarischen Riesengebirgstreffen an, insgesamt acht Treffen, die in der Zeit vom 3.9.1922 bis 1933 an dem Berg „Schneekoppe“ stattfanden. Ziel dieser Treffen war der gemeinsame Kampf gegen den Faschismus, das Streben nach sozialer Gerechtigkeit, dem Ausbau der internationalen Solidarität und der Zusammenarbeit tschechischer und deutscher Linker.

1927, zum 6. Treffen, kamen über 6000 Teilnehmer, unter den Redner befand sich der Vorsitzende des Roten Frontkämpferbundes (RFB) Ernst Thälmann. Es wurden Fahnen getauscht. Eine der Fahnen konnte versteckt die Kriegsgeschehen überstehen und wird heute im Kreisvorstand der tschechischen KP in Trutnov aufbewahrt. Jedes Jahr im Januar kommen die tschechischen Genossen mit dieser Fahne nach Berlin-Friedrichsfelde um gemeinsam mit deutschen und internationalen Teilnehmern der Luxemburg/Liebknecht Demonstration der gefallenen Sozialisten und Kommunisten zu gedenken.

 

Ernst Thälmann:

„Gedenktage sind ohne Sinn, wenn sie nicht in Gegenwart und Zukunft hineinreichen.“